ERP-Einführung: Was läuft häufig schief – und wie man es besser macht

60–70 % aller ERP-Projekte überschreiten Budget oder Zeitrahmen. Die Ursachen sind bekannt – und vermeidbar.

6 min • Mai 2026 • Orientierung & Entscheidung

Laut verschiedenen Branchenerhebungen überschreiten 60 bis 70 Prozent aller ERP-Projekte den geplanten Budget- oder Zeitrahmen erheblich. Das bedeutet nicht, dass ERP-Einführungen zum Scheitern verurteilt sind – aber es bedeutet, dass die meisten Unternehmen dieselben vermeidbaren Fehler machen.

Die 6 häufigsten Fehler – und wie man es besser macht

  • 1
    Anforderungen werden nicht sauber definiert

    Der häufigste Grund für Projektprobleme ist kein technischer – es ist ein konzeptioneller. Unternehmen starten ohne klares Bild davon, welche Prozesse die Software abbilden soll.

    Was besser funktioniert: Vor dem ersten Gespräch mit einem Anbieter die eigenen Prozesse dokumentieren. Welche Schritte laufen heute wie ab? Wo entstehen die meisten Fehler? Welche Schnittstellen sind nötig?

  • 2
    Die Datenmigration wird unterschätzt

    Altdaten aus dem Vorsystem sind selten sauber. Artikelnummern existieren doppelt, Kundenadressen sind veraltet, Lagerbestände stimmen nicht.

    Was besser funktioniert: Altdaten vor der Migration bereinigen. Oft reicht es, Stammdaten zu übertragen und offene Belege manuell zu erfassen.

  • 3
    Das Projekt wird als IT-Projekt behandelt

    ERP-Einführungen scheitern selten an der Technik. Sie scheitern an Menschen. Wenn die Geschäftsführung das Projekt delegiert und selbst nicht involviert bleibt, fehlt die notwendige Autorität.

    Was besser funktioniert: Die Geschäftsführung muss das Projekt aktiv führen. Mitarbeiter aus allen Abteilungen müssen frühzeitig eingebunden werden.

  • 4
    Alles auf einmal einführen

    Wenn Lagerverwaltung, Webshop-Anbindung, FIBU-Schnittstelle und Kassasystem gleichzeitig eingeführt werden, potenzieren sich die Fehlerquellen.

    Was besser funktioniert: Das Teile-und-herrsche-Prinzip. Einzelne Funktionsbereiche schrittweise einführen und produktiv nutzen, bevor der nächste aktiviert wird.

  • 5
    Der Anbieter ist weit weg

    Bei großen ERP-Systemen mit Reseller-Netzwerken landet man oft bei Partnern die das System nicht selbst entwickelt haben. Wenn Probleme auftauchen, wird weitergereicht.

    Was besser funktioniert: Direkte Kommunikation mit dem Hersteller. Kein Ticketsystem, kein Reseller dazwischen. Der Entwickler kennt das System in der Tiefe.

  • 6
    Schulung wird als einmaliges Event behandelt

    Eine Einführungsschulung kurz vor Go-Live reicht nicht. Laut einer Erhebung von ERP 4 Business (2026) bleiben 40 Prozent der ERP-Funktionen dauerhaft ungenutzt, wenn kein kontinuierliches Lernformat vorhanden ist.

    Was besser funktioniert: Schulungen auf die jeweilige Rolle abstimmen. Nachschulungen nach den ersten produktiven Wochen sind oft wertvoller als die Einführungsschulung selbst.

Fazit

ERP-Einführungen scheitern nicht an der Software. Sie scheitern an unklaren Anforderungen, schlechtem Datenmanagement, fehlendem Management-Commitment und überschätzten Eigenkräften. Wer diese Fehler kennt und aktiv gegensteuert, landet in der Minderheit der Projekte die planmäßig gelingen.

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